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Liebe Deutsche Post

Lieber Zusteller,
liebe Zustellerin der Deutschen Post,

DHL Kundenservice

sag nichts – du hattest wahrscheinlich einen sehr stressigen Arbeitsalltag. Jede Menge Zeitdruck, schwere Pakete zu schleppen, miesgelaunte Kunden, vielleicht sogar einen strengen Vorgesetzten. Ich kann mich da ganz gut reinfühlen.

Richtig frustrierend wird dein Tag vermutlich, wenn du – ganz eilig – bei einem Kunden klingelst, ihm oder ihr das heißersehnte Paket überreichen willst und dann … nichts passiert. Nervös klingelts du noch mal. Da sind so viele andere Pakete und noch mehr Überstunden kannst du echt nicht gebrauchen. Irgendwann willst du ja auch mal Feierabend haben, deine Familie sehen, dein Leben genießen … Die Tür öffnet sich nicht. Dann versuchst du es bei den Nachbarn. Clever, wie du bist, klingelst du gleichzeitig bei mehreren, in der Hoffnung, dass zumindest einer aufmacht. Aber wer ist mitten am Tag schon zu Hause, um ein Paket zu empfangen? Es sind doch alle auf der Arbeit!

Dir bleibt nichts anderes übrig, als das Paket wieder mitzunehmen. Enttäuscht wirfst du einen Zettel in den Briefkasten des Kunden. Eine kleine Nachricht, dass du ihn nicht vergessen hast. Und dass er sein Paket am nächsten Werktag von der Postfiliale abholen kann.

Ein Beruf, in dem man (eigentlich) jeden Tag mit Kunden zu tun haben sollte – und dann ist kein Kunde erreichbar. Das ist hart.

Dennoch möchte ich etwas zur Sprache bringen.


Ganz kurz zu mir: Ich bin selbstständig und arbeite von zu Hause aus. Gelegentlich bekomme ich Pakete geschickt, zum Beispiel von Kunden.

Ahnst du bereits, worauf das hinausläuft?

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich zu Hause bin, wenn du bei mir klingelst (ob vormittags, mittags oder nachmittags), ist hoch. Wenn mir ein Kunde sogar ankündigt, dass er mir etwas schickt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich da bin, um das Paket in Empfang zu nehmen SEHR SEHR hoch.

Aber zum wiederholten Mal hast du nicht bei mir geklingelt.

Warum nicht? Hast du Angst vor mir? Ich beiße nicht!

Andere Menschen haben sehr wohl bei mir geklingelt. An der Technik hat es also nicht gelegen. Ich habe auch keine laute Musik gehört oder eine andere Geräuschkulisse aufgebaut – schließlich arbeite ich konzentriert in meinem Home Office. Ich bin mir sicher, dass ich jedes vorhandene Klingeln an meiner Tür gehört habe.

Hm, dann kommt das Paket vielleicht erst morgen … So meine Vermutung.

Bis ich um 19 Uhr zum Briefkasten ging und Folgendes fand:

DHL Zettel

Hast du tatsächlich eine Benachrichtigung in meinen Briefkasten geworfen, ohne vorher bei mir zu klingeln? Schon wieder? Hast du versucht, es diesmal so aussehen zu lassen, dass du frustriert und enttäuscht über meine angeblich erneute Abwesenheit warst? Wieso sonst hat der Zettel diese Behandlung erfahren?

Ich habe dich oder deine Kollegen ja auch schon ein paar mal an meiner Tür begrüßt. War ich nicht freundlich genug? Hab ich dich zu lange aufgehalten? Riecht es aus meiner Wohnung komisch? Ist das Treppenhaus zu dreckig (- ich bin nur jede 3. Woche mit dem Wischen dran)?

Was auch immer der Grund ist:

Bitte, lieber Zusteller oder liebe Zustellerin, gib dir einen Ruck und nimm dir die Zeit. Ich versuch ja schon, dich zu entlasten, indem ich ganz oft die Packstation benutze.* Aber wenn doch mal ein Paket an meine Wohnung geht, klingel doch bitte einfach bei mir!

Vielen Dank,
Lemon

* Ach so, liegt es etwa daran, dass ich die Packstation bevorzuge? Die ist zumindest immer für mich da. Obwohl sie natürlich auch ihre Fehler hat. Zum Beispiel, wenn meine Pakete irgendwo in der Stadt landen und ich erst meinen Navi bemühen muss, um die alternative Packstation zu finden. Beim letzten Mal bin ich übrigens in ein Viertel gelotst worden, wo mir mittan am Tag eine zottelige Frau im Bademantel entgegen kam. Aber das ist eine andere Geschichte.

1 Kommentar

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