Artikelformat

Meine Eltern sagen, dass ich was Besonderes bin – warum sieht mein Boss das nicht?

Vor über zwei Jahren habe ich einen Post namens „10 Gründe sich einen neuen Job zu suchen“ geschrieben. Damals war ich in einer unglücklichen Festanstellung und es ging mir sehr schlecht. Jetzt entdecke ich, dass das Thema Burnout in meiner Facebook-Timeline gerade so aktuell wie nie ist. Ich lese Statusmeldungen wie „Ich hasse meinen Job“, „Kann ich nicht glücklich sein UND Geld verdienen?“ und enttäuschte Aussagen, die klingen wie: „Ich dachte immer, dass ich was Besonderes bin. Aber mein Boss sieht das anders.“ Die typischen Probleme der Generation Y. Und ich kann es sehr gut nachvollziehen. Wir lechzen nach Anerkennung …

Es ist wirklich erstaunlich, aber ich kenne niemandem in meinem Bekanntenkreis, der nicht mindestens einmal in seinem Leben todunglücklich mit seinem Job war. (Mich eingeschlossen, vor zwei Jahren.) Und zwar einhergehend mit Existenzängsten, Schlafstörungen, Panikattacken. Als ich meine erste Festanstellung hatte, dachte ich monatelang wie in Trance: „Ist das alles? Für den Rest meines Lebens?“ Ich habe dann gekündigt, aber es war ein langer Weg bis dahin … Es gab schließlich ein gutes Gehalt, meine Familie war so stolz, ich wollte kein Versager sein. Und mal ehrlich – was hatte ich als Geisteswissenschaftlerin schon zu erwarten? Ich konnte doch froh sein, überhaupt einen Job bekommen zu haben. (Die erste Reaktion meines Opas, als ich meine Kündigung verkündete,war übrigens: „Richtig so. Der Job hat dir nicht gutgetan.“ Mit so viel Rückhalt hatte ich nicht gerechnet. Ich war baff! Danke, Opa.)

Und jetzt, warum ich das alles aufschreibe … :)
Ich dachte damals, dass es nur mir so geht. Denn bei allen anderen scheint das Leben ja immer toll zu sein. Aber seitdem höre ich von anderen immer wieder genau die gleiche Geschichte. Wenn man sich mal etwas länger und intensiver mit seinen Mitmenschen unterhält, stellt man fest, wie viele ihren Job hassen oder mal einen hatten, in dem es ihnen so ging. Das ist doch verrückt!

Hier ein paar Aussagen, die Freunde und Bekannte in letzter Zeit geäußert haben:

  • Ich hoffe, mein Freund schwängert mich bald, dann muss ich nicht mehr zur Arbeit.
  • Die geben mir das Projekt xy nur, damit ich versage und sie mich dann rausschmeißen können.
  • Irgendwann findet mein Boss heraus, dass ich keine Ahnung hab, was ich tue, und dann feuert er mich.
  • Mein Boss sagt, ich hätte mich bei der Bewerbung nicht besser machen sollen, als ich bin. Ich glaube, er hat Recht.
  • Mein Hausarzt hat mich für 3 Wochen krankgeschrieben. Ich will nicht wieder zurück.

Okay, ich hab auch was „Positives“ gehört:

  • Ich muss mein Gehalt mit Hartz 4 aufstocken, aber zumindest macht es mir Spaß. (← Bei einer 40-Stundenwoche mit Überstunden und Wochenendarbeit!)

Und wenn ich dann erzähle, dass ich damals einen Schlussstrich gezogen und gekündigt habe, dann sind die meisten neidisch(!). Die Existenzängste sind so groß, dass dieser Ausweg für viele nicht infrage kommt. Klar, manche haben ja schon Kinder, ein Haus plus Kredit und/oder einen gewissen Lebensstandard. Da leiden sie halt weiter und posten dann nach all den Wie-toll-der-Urlaub-war, Wie-toll-das-neue-Auto-ist, Wie-toll-das-Leben-ist-Posts irgendwann ihre „Ich kann nicht mehr“-Hilferufe auf Facebook.

Versteht mich nicht falsch, ich bin sogar froh, zur Generation Y zu gehören. Denn ich kann mir vorstellen, dass es in der Generation meiner Mutter – und der Mutter meiner Mutter – noch einmal sehr viel schwieriger war, sich selbst zu verwirklichen. Heute braucht man ja eigentlich nicht viel mehr als den Mut und das Selbstbewusstsein, es auch wirklich zu tun.

Meine Generation ist sogar regelrecht verwöhnt. Und das ist zum Teil das Problem: Wir sehen den Lebensstandard unseres Elternhauses als selbstverständlich an. Und wenn wir dann erwachsen werden, stehen wir unter Druck, weil wir diesen Standard halten wollen. Auto, Laptop, iPhone, Kino, Konzerte, Urlaub … so sind wir aufgewachsen. Das sind keine Luxusgüter mehr, sondern das ist „normal“. Arbeitslos zu sein und Arbeitslosengeld/Hartz 4 zu bekommen, nur weil man nicht mit dem Job glücklich ist, ist da keine verlockende Alternative.

Eine Freundin („Mein Hausarzt hat mich für 3 Wochen krankgeschrieben. Ich will nicht wieder zurück.“) wollte partout nicht kündigen, weil sie ein Pferd und ein geerbtes Haus hat. Das müsse sie ja finanzieren – und das Haus könne sie nicht verkaufen. Luxusprobleme, klar. Aber es hat sie krank gemacht.

Was also tun in Situationen, in denen es ganz schlimm ist? Wenn man morgens nicht aufstehen will? Wenn man im Büro sitzt und auf den Monitor starrt? Wenn man nur noch schreien will oder weinen?

Wäre es nicht schön, wenn es einen Panik-Knopf gäbe, den man dann drücken könnte? Und alles würde wieder gut? So einen habe ich gefunden.

Es ändert sich zwar nichts auf Knopfdruck, aber es ist der Schritt in die richtige Richtung. Für alle Burnout-, Boreout- oder Depressionengeplagte:

Raus aus der Situation! Es ist EUER Leben!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.